Linda´s Hochzeitswegweiser Teil 1 – Kirche 

Natürlich erfinde ich nicht das Rad neu mit meinen Tipps und Tricks rund ums Heiraten, aber nach ca. 70 Hochzeiten, die ich in den letzten 2 Jahren fotografisch begleiten durfte, hat sich doch ein wenig Erfahrung angesammelt.

Da es viel zu erzählen gibt, würde ich es gerne auf mehrere Beiträge aufteilen. Fangen wir heute mit dem Thema Kirche an.

Bei Linda´s Hochzeitswegweiser möchte ich versuchen, die Wünsche des Brautpaares, der Gäste und des Fotografen offen zu legen.
Wenn jeder ein wenig mehr versteht, was der andere sich wünscht oder vorstellt, kann man einfach besser aufeinander eingehen.

1. Wir starten mit der Sitzplatzwahl in der Kirche.

Mir persönlich ist aufgefallen, dass leider viele die Reihen von hinten an füllen.
Jeder weiß, dass die ersten 1-2 Reihen für die Familien vorgesehen sind, aber niemand möchte unangenehm und aufdringlich erscheinen,
wenn man sich „zu weit“ nach vorne setzt. Also lässt man viel Platz und es entstehen leere Reihen, die auf Bildern nicht schön aussehen.

Mein Tipp wäre : einfach Karten drucken mit „reserviert für Brauteltern“ – „reserviert für Trauzeugen“ usw. und in die anderen Reihen am besten Karten legen mit „bitte aufrücken“ So ist klar bis wohin reserviert ist und ab wann freie Sitzplatzwahl besteht.

An die Gäste : Ihr seid alle wichtige Menschen in dem Leben des Brautpaares, das alleine zeigt schon die Einladung. Also bitte scheut Euch nicht 🙂

2. Warten bis die Braut kommt.

10-15 Minuten vor Beginn sollte man spätestens vor Ort sein und am Besten auch dann schon direkt in die Kirche gehen.
Der große Auftritt gilt der Braut und keinem verspäteten Gast.
Bitte wartet auch nicht vor der Kirche bis das Brautauto vorfährt. Der Moment gehört einfach der Familie und auch die Gäste
sollten sich überraschen lassen. Nicht nur der Bräutigam.

Mein Tipp wäre : Am Besten in die Einladung schreiben, falls die Kirche wenig Parkmöglichkeiten aufweist. So können die Gäste direkt schon ein wenig mehr Zeit einplanen.
Trauzeugen oder Freunde vor Ort bitten die Gäste 5-10 Minuten vorher, langsam ihre Plätze aufzusuchen.

3. Fotografieren in der Kirche.

Eins meiner liebsten Themen. Jeder will ein Foto der Braut, jeder will ein Foto des Bräutigams.
Jeder will ein Foto vom Einzug und genau das ist auch das Problem. Jeder hat ein Handy in der Hand und mittlerweile stelle ich auch vermehrt Ipad´s fest. Die Dinger sind ganz schön groß 😀
Was ich sagen möchte, das Brautpaar hat einen Fotografen gebucht. Im besten Fall mit Erfahrung.

Vertraut mir bitte, wenn ich Euch sage, dass diese Bilder besser aussehen werden als die Bilder von einem Smartphone.
Es macht einfach das komplette Bild kaputt, wenn der Fotograf von vorne ein Foto vom Einzug macht und aus jeder Reihe
Gäste mit Ihrem Handy versuchen ein Bild zu machen. Genießt den Moment und alles wird gut!
Das Gleiche gilt natürlich für den Auszug, versucht ein wenig darauf zu achten, dem Fotografen nicht im Weg zu stehen.
Er versucht gerade für Eure Freunde schöne Erinnerungen zu schaffen.

Mein Tipp wäre : In die Einladung oder am Besten noch mal auf die erste Seite des Kirchenheft´s einen Hinweis zu geben
z.B. : „Fotograf ist vor Ort, genießt den Tag mit uns“ oder etwas deutlicher „bitte keine Fotos“.

Mein Tipp für die Braut beim Einzug : Schön ist es natürlich, ein Bild zu bekommen vom Einzug mit Brautvater oder Bruder oder der Person die Dich rein begleiten darf. Bei den meisten katholischen Kirchen geht der Pfarrer voran.
Vielleicht einen kleinen Abstand lassen, dann ist es möglich, eine Sicht nur auf Euch zu haben. 🙂

Außerdem mit dem Fotografen vereinbaren, eine Online Galerie erstellt zu bekommen, damit man diesen Link an die Gäste verschicken kann. So bekommt jeder sein Bild 🙂

Dieses Thema ist wirklich ein Problem. Ich kann leider sagen, dass ich schon von Gästen regelrecht weggeschubst wurde, damit diese mit Ihrem Handy oder Ihrer Kamera ein Bild machen können. Meinen Job nehme ich wie alle anderen Fotografen sehr ernst. Es sind Momente, die man nicht stellen kann. Eben Emotionen aus der Situation heraus, die unbedingt festgehalten werden sollten.
Wenn jeder ein wenig darauf achtet und Rücksicht nehmen würde, wäre das großartig.

Das Brautpaar bezahlt den Fotografen für diese Bilder. Versuchen wir doch alle, dass es diese Fotos auch bekommt 🙂

4. Fotografieren in der Kirche für Fotografen

Ganz wichtig ist, flache Schuhe! Bitte keine Absätze. Alles was lärm macht, muss zu Hause bleiben.
Am besten nur bewegen wenn Musik gespielt wird.
Wenn ihr eine Kamera habt, die man leiser stellen kann, solltet ihr das tun. (Dies geht natürlich nicht bei allen) bei vielen kann man aber den „piep-ton“ beim Scharfstellen deaktivieren 😉 Wie ihr seht, so wenig auffallen wie möglich.
Mein liebstes Objektiv in der Kirche ist unter anderem das 70-200mm. Man kann schön zurückhaltend fotografieren und man bekommt dennoch nahe Portraits. Im Internet kann man sich für solche Anlässe Objektive ganz einfach für ein Wochenende ausleihen.

Das Thema „Blitzen in der Kirche“ ist leider auch abhängig davon, ob Eure Kamera mit der hohen ISO-Zahl ohne größere Qualitätsmängel umgehen kann.
Ich muss stellenweise ohne Blitz schon auf 3000-4000 ISO hoch.
Das ist Gott sei dank kein Problem für meine Kamera und so kann ich die Lichtstimmung genauso einfangen wie sie ist.

5. Der Auszug

Mein Tipp an die Fotografen : Denkt dran, dass ihr die ISO wieder niedriger stellt 😉 – sonst habt ihr ne Menge Bilder, die überbelichtet sind!

Mein Tipp an das Brautpaar : Genießt den Moment. Als nächstes wird erst mal gratuliert. Es werden noch keine Brautpaarbilder gemacht 🙂 Sucht Euch ein schönes Plätzchen und lasst Euch von euren Liebsten umarmen. Am besten nicht in die pralle Sonne, das könnte bei mehr als 60 Gästen nach einer Zeit wirklich sehr heiß werden. Meine Arbeitsweise ist in dem Fall, wirklich die Momente einzufangen und nicht direkt ein Brautpaarshooting daraus zu machen, das folgt noch. Aus Erfahrung schauen mich meist 8 von 10 Brautpaaren an und wissen nicht was sie als nächstes machen sollen.

Mein Tipp an die Fotografen : Ihr seid oft nicht nur Fotografen, ihr seid meist auch die Person, die mehr Erfahrung hat und weiß, was als nächstes passiert. Seid ein guter Freund oder eine gute Freundin und weißt unauffällig darauf hin, was als nächstes folgt.

Mein Tipp an die Gäste : lasst das Brautpaar nicht zu lange warten, klar sollte als erste die Familie die Möglichkeit haben, zu gratulieren, aber wenn das Brautpaar minutenlang angestarrt wird, fühlt es sich ein wenig unwohl. Also nehmt Eure Freunde in den Arm und wünscht Ihnen alles Gute 🙂

6. Überraschungen

Es gibt ja viele Dinge oder Spiele die sofort nach der Kirche passieren können.

Der Baumstamm : das Baumstamm sägen ist, wenn ich ehrlich bin, nicht mein Lieblingsspiel. Die Braut würde mir da sicher zustimmen. Dreckiges Kleid oder Hände voll mit Harz sind da keine Seltenheit.

Mein Tipp an die Gäste : Handschuhe!!! Und vielleicht einen kleinen Stamm nehmen, der schon etwas angesägt ist. So muss das Brautpaar nicht minutenlang ackern und fängt nachher noch das schwitzen an. ODER… einfach weglassen! 😉

Die Luftballons: finde ich persönlich nicht nur eine schöne Idee, sondern auch ein schönes Fotomotiv.

Mein Tipp an die Gäste : Ich weiß, dass es viel Arbeit ist und auch Zeit in Anspruch nimmt, aber die Luftballons einen Tag vorher fertig machen, ist keine gute Idee. Meist hält das Gas nicht so lange und die Luftballons steigen nicht so richtig. Was sehr schade ist. Wenn Ihr Karten an die Luftballons hängt, vergesst nicht die Adresse. Ja leider schon vorgekommen 😉 3-4 Leute sollten sich um die Aktion mindestens kümmern. Es ist einfach schon ein kleiner Organisationsaufwand und sollte von niemandem alleine gestemmt werden. Die Farbe sollte abgestimmt sein mit den Farben auf der Hochzeit. Einheitlich wirkt genauso schön wie Weiß + eine Farbe. Versucht es nicht zu bunt, dass wirkt nicht so schön auf Fotos. Was natürlich ganz wichtig ist, das Brautpaar sollte auch 2 Luftballons bekommen und wie ich finde, gibt auch das Braupaar das Signal zum steigen und kein Gast! 😉

Tauben: zu den Tauben möchte ich nur eins sagen, denkt bitte daran, dass diese gerne auch mal was abwerfen. Ja genau und das kann auf einem weißen Kleid schonmal nicht so schön wirken. Die Tauben dem Brautpaar in die Hand drücken, finde ich persönlich daher nicht so eine gute Idee, der Gesichtsausdruck ist in den wenigsten Fällen ein Lachen wenn die Tauben losflattern. Daher ist eine Korbkiste, die man öffnet, doch eher geeignet.

Es gibt natürlich noch viele weitere Aktionen wie z.B.: Das Laken mit dem Herz, was ausgeschnitten werden soll.

Mein Tipp an alle: einfach mal Rücksprache halten mit den anderen Gästen, was alles geplant ist. An der Kirche wird sich meist nicht so lange aufgehalten und meiner Meinung nach muss man auch nicht alles machen. Manchmal ist weniger einfach mehr. Was aber immer toll aussieht beim Auszug. Rosenblätter die geworfen werden oder Reis. Wenn das verboten ist, dann vielleicht Seifenblasen. 🙂

7. Geschenke

Gäste, die noch mit zur Location fahren, brauchen das Geschenk noch nicht mitbringen.
Das Brautpaar kann sowieso nicht alle Geschenke persönlich entgegen nehmen.
Am besten in der Location auf den Geschenketisch stellen. Wenn ihr eine Karte reinlegt, weiß das Brautpaar später auch, von wem es ist.
Nehmt es dem Brautpaar nicht übel, dass es nicht jedes einzelne bewundern kann. Ihr habt Euch viel Mühe gemacht, aber ich bin mir sicher, das Brautpaar wird es einen Tag später in Ruhe besser bestaunen können.
An der Kirche am besten den Trauzeugen überreichen. So hat das Brautpaar die Hände frei für Gratulationen und den Sekt 🙂

8. Das Gruppenbild an der Kirche

Da ich immer ein wenig eher an der Kirche bin um mich umzuschauen, weiß ich also vorher schon, wo ich das Gruppenfoto machen werde.

Mein Tipp an die Fotografen : Wie sich vielleicht jeder denken kann, sind Treppen für so eine Aufnahme gut geeignet. Das Brautpaar steht am besten vorne und alle Gäste hinter Ihnen auf den Stufen. So ist meist jeder gut zu erkennen. Wenn keine Treppe vorhanden ist, dann ist vielleicht ein schräge Straße oder Wiese vor Ort. Wichtig ist immer, dass die Hochzeitsgesellschaft versetzt steht (z.B. auf einer Treppe) oder der Fotograf von oben fotografieren kann. So sind meist alle gut zu erkennen. Oft wird das Gruppenbild dann aber auch an der Location gemacht
weil die Kirche leider diese Möglichkeiten nicht bieten kann.

9. Gratulationsfotos

Ich selber muss sagen, dass ich nicht jeden bei der Gratulation fotografiere.
Die ersten 15- 20 Leute fotografiere ich schon, weil es meist die Familie und die Trauzeugen sind. Da kann man dann immer noch schöne emotionale Momente einfangen. Wichtig ist, immer mal die Position zu wechseln. Mal das Brautpaar von vorne und dann aber auch mal die Gäste von vorne bei der Gratulation. Danach versuche ich ungestellte Momente einzufangen von Gästen die sich unterhalten.
Dabei ist mir wichtig, dass ich nicht auffalle. So bekommt ihr wunderbar ein echtes Lachen eingefangen, oder hier und da auch die ein oder andere Freudenträne. Außerdem vielleicht mal ein Foto der Kirche und dem Brautauto. Toll sind natürlich auch immer süße Kinderfotos, meist sind diese unglaublich schick angezogen und sehen wahnsinnig süß aus 😉

10. Gute Laune

Einer der wichtigsten Punkte. Es kann nicht immer alles nach Plan laufen, aber man sollte sich definitiv nicht die Laune davon kaputt machen lassen.

Mein Tipp an die Fotografen : denk an Eueren Gesichtsausdruck. Ein Lächeln auf den Lippen kann so viel ausmachen. Habt Spaß an der Arbeit und seid freundlich, egal wie viele Menschen Euch vor die Linse laufen, sich einfach davor stellen, Tipps zum Fotografieren geben oder ähnliches. Stellt Euch vor, Ihr seid den ganzen Tag unter Beobachtung 🙂
Mein Tipp an die Gäste : Egal wie lange manche Aktionen dauern oder wie kalt oder nass es ist, es ist ein ganz besonderer Tag für Eure Freunde und Ihr dürft ein Teil davon sein. Versucht es Euch nicht anmerken zu lassen, wenn etwas nicht Euren Geschmack trifft. Das wäre einfach nicht fair.

Mein Tipp an das Brautpaar : Habt am Besten keinen zu eng geschnürten Zeitplan. Genießt einfach den Tag und auch das Wetter sollte die schöne Stimmung nicht kaputt machen. Oft ergibt sich dann zu einem späteren Zeitpunkt am Tag noch mal die Möglichkeit Bilder zu machen. Gebt ein paar Aufgaben an gute Freunde oder Trauzeugen ab, so müsst ihr Euch nicht um alles selber kümmern.

Könnt ihr noch andere Tipps nennen oder hat Euch der Beitrag vielleicht ein wenig weitergeholfen?
Ich würde mich sehr über ein Feedback freuen!

Eure Linda